Capital | Die Wall Street erholt sich, doch der Aufschwung wirkt wie eine Bärenmarktrallye (Dead-Cat-Bounce)
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- Das Aufwärtsrisiko für die Ölpreise bleibt bestehen, während die geopolitischen Spannungen anhalten
Der Fokus hat sich inzwischen auf die Erwartung eines außergewöhnlich starken Gewinnwachstums bei den Technologiekonzernen verlagert, die in der vergangenen Woche maßgeblich für den Rücksetzer verantwortlich waren. Zuvor hatten Sorgen über Risiken für das Wachstum und die Profitabilität in der Chipindustrie die Märkte belastet.
Zwar ist das bemerkenswerte Gewinnwachstum tatsächlich ein unterstützender Faktor für den Markt, insbesondere mit Blick auf den inoffiziellen Auftakt der Berichtssaison der sogenannten „Magnificent Seven“ in dieser Woche. Dass es jedoch die Erholung an der Wall Street maßgeblich antreibt, ist fraglich.
Die Rally zum Start in die neue Handelswoche wirkt vielmehr wie ein klassischer „Dead-Cat-Bounce“ – also eine vorübergehende Kurserholung nach einem vorherigen Rückgang, die sich in einem volatilen Markt als nicht nachhaltig erweisen könnte. Solche Bewegungen sind typisch für Marktphasen, in denen die Kurse aufgrund erheblicher kurzfristiger Unsicherheit stark in beide Richtungen schwanken.
Die Kursentwicklung über Nacht fiel zudem eher verhalten aus: Indizes wie der S&P 500 und der NASDAQ beendeten den Handel deutlich unter ihren Tageshochs.
Die geopolitischen Risiken bleiben äußerst hoch und üben weiterhin Druck auf risikobehaftete Anlageklassen aus. Die Rohölpreise bewegen sich nach wie vor in der Nähe ihrer jüngsten Höchststände. Mehrere schwer einzudämmende Konflikte im Nahen Osten gefährden die globale Energieversorgung – und das zu einem Zeitpunkt, an dem sich die weltweite Energieversorgungskette zunehmend anfällig zeigt.
Berichte über erneute Angriffe der Huthi auf die saudische Energieinfrastruktur am gestrigen Tag verdeutlichen, dass sich der Konflikt in der Region weiter verschärft. Die Lage droht zunehmend außer Kontrolle zu geraten. Unterdessen beschießt der Iran weiterhin Tanker in der Straße von Hormus mit Flugkörpern und wirft den USA gleichzeitig vor, einen Marinestützpunkt in der Region angegriffen zu haben.
Die geopolitische Unsicherheit erhöht die Risiken für das Wirtschaftswachstum und die Inflation. Gleichzeitig setzen die Ölpreise ihren Aufwärtstrend fort – eine Entwicklung, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit fortsetzen dürfte, solange es nicht gelingt, zumindest einen der Konflikte durch einen Durchbruch zu entschärfen.
An den asiatischen Aktienmärkten zeichnet sich für heute Morgen ein überwiegend schwacher Handelsstart ab. Die Futures deuten darauf hin, dass die meisten wichtigen Aktienindizes mit Kursverlusten in den Handel starten dürften.
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