Capital | Kursverluste bei großen Tech-Konzernen belasten die Stimmung an den globalen Märkten
Daniela Hathorn, Senior Market Analystin bei Capital.com
Investmentfonds.de - Die globalen Märkte beenden eine außergewöhnlich ereignisreiche Woche mit vorsichtiger Stimmung. Erneut sind es vor allem Technologieaktien, die die Risikobereitschaft der Anleger belasten. Die Wall Street schloss am Donnerstag im Minus, da Sorgen über die Rentabilität der KI-Investitionen die ansonsten robusten US-Konjunkturdaten überschatteten. Europäische Aktien zeigten sich nach dem Beschluss der EZB, die Zinsen unverändert zu lassen, widerstandsfähiger.
Quartalszahlen der großen Technologiekonzerne
Besonders auffällig ist die zunehmend kritische Reaktion der Anleger auf die Quartalszahlen der großen Technologiekonzerne. Der starke Kursrückgang bei Alphabet verdeutlichte die wachsenden Sorgen über den hohen Mittelabfluss im Zusammenhang mit KI-Investitionen. Die vergleichsweise besseren Ergebnisse von Microsoft zeichneten hingegen ein positiveres Bild hinsichtlich der Monetarisierung von KI. Amazon und Intel haben die Unsicherheit nun weiter verstärkt: Beide Aktien gerieten nach enttäuschenden Ergebnissen und Prognosen im nachbörslichen Handel deutlich unter Druck.Die Botschaft der Anleger wird immer deutlicher: Eine starke Nachfrage nach KI allein reicht nicht mehr aus. Die Unternehmen müssen zeigen, dass sich ihre enormen Investitionsausgaben in nachhaltiges Umsatzwachstum, höhere Margen und einen soliden freien Cashflow umwandeln lassen. Dies könnte den Nasdaq weiterhin erheblich belasten – insbesondere angesichts der starken Konzentration der bisherigen Kursgewinne auf wenige Technologiekonzerne.
Die Verkaufswelle hat heute Morgen auch auf die asiatischen Märkte übergegriffen. Der japanische Nikkei gab nach, während der südkoreanische Kospi deutlich unter Druck geriet, da insbesondere Halbleiteraktien Verluste verzeichneten. Auch für die europäischen Aktienmärkte zeichnet sich ein schwächerer Handelsstart ab; die Futures signalisieren anfängliche Kursverluste. Das ist insofern bemerkenswert, als europäische Aktien am Vortag noch besser abgeschnitten hatten. Die geringere Gewichtung des Technologiesektors könnte Europa zwar einen gewissen Schutz bieten, immun gegen eine allgemeine Verschlechterung der Marktstimmung ist die Region jedoch nicht.
Zentralbanken und Konjunkturdaten
Von den Zentralbanken und Konjunkturdaten kamen unterdessen gemischte Signale. Der Beschluss der Fed, die Zinsen unverändert zu lassen, brachte kaum neue Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs. Das gestern veröffentlichte, stärker als erwartete US-BIP-Wachstum von 3,4 % deutet jedoch darauf hin, dass die Wirtschaft trotz der hohen Finanzierungskosten robust bleibt. Die Kerninflation auf Basis des PCE-Preisindex von 3,1 % verstärkt dagegen die Erwartungen einer weiteren geldpolitischen Straffung und erschwert damit den Ausblick für risikoreiche Anlagen.Auch die EZB beließ die Zinsen bei 2,5 %, was die europäischen Aktienmärkte stützte. Die Ankündigung von Christine Lagarde, im Februar zurückzutreten, sorgt allerdings für zusätzliche Unsicherheit. Die Bank of Japan hielt ihre Leitzinsen heute Morgen ebenfalls unverändert bei 1,25 %, signalisierte jedoch, dass die Inflationsrisiken weitere Zinserhöhungen rechtfertigen könnten.
Die geopolitische Lage bleibt ein weiterer wichtiger Einflussfaktor. Brent-Öl notiert bei rund 115 US-Dollar je Barrel, da die Unsicherheit über mögliche Lieferunterbrechungen im Nahen Osten anhält – trotz erster diplomatischer Bemühungen. Die hohen Energiepreise bleiben ein potenzieller Inflationstreiber, während Anleger zunehmend Sicherheit in Staatsanleihen suchen.
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